Babylon

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Babylon war die Hauptstadt Babyloniens. Sie lag im heutigen Irak und war eine der wichtigsten Städte der Antike. In der Musik hat Babylon allerdings eine andere Bedeutung.

Musik

Zumeist bauen Lieder, die mit Babylon zu tun haben, auf die Bedeutung der Stadt im Alten Testament als ein Ort des Exils und der Versklavung. Gelegentlich nehmen Lieder aber auch die neutestamentliche Bedeutung der Stadt als Zentrum des Bösen auf.

Georg Friedrich Händel hat 1745 in seinem Oratorium Belshazzar (deutsch: Belsazar) die Eroberung der Stadt durch Kyros und die Befreiung der Juden aus der "babylonischen Gefangenschaft" verewigt. Giuseppe Verdi vertonte 1842 in Nabucco ebenfalls eine Episode aus dem jüdischen Exil in Babylon.

Die Gefangenschaft und die spätere Rückkehr des Volkes Israel in seine Heimat wurde für die christlichen Sklaven in den USA des 19. Jahrhunderts zum Gleichnis ihrer Gefangenschaft und der Hoffnung auf Befreiung. Bekannt ist die Vertonung des Lieds By the waters of Babylon von Don McLean, eine Nachdichtung des 137. Psalms. Der Song By the Rivers of Babylon von Boney M. behandelt ebenfalls den Text des 137. Psalms. Die deutsche Vertonung Die Legende von Babylon von Bruce Low geht jedoch um den Turmbau zu Babel und hat nichts mit der Stadt Babylon zu tun. Der Song "Babylon System", komponiert von dem jamaikanischen Reggaemusiker Bob Marley und auf dem Album Survival veröffentlicht, handelt von dem westlichen "vampirischen" System, das die Menschheit unterdrückt und vor der Einheit zurückhält. Der Begriff Babylon taucht in ähnlicher Bedeutung thematisch in unzähligen weiteren Reggaeliedern auf. Auch in dem Lied "Volle Kraft voraus" von den "Söhne Mannheims" wird in der letzten Strophe "...ich kann nur existieren, wenn Babylon fällt..." die neutestamentliche Deutung Babylons als Sitz des Bösen wieder aufgenommen.

Die Verwendung des Begriffes als kritische Analogie zum kapitalistischen System lässt sich auch in weiteren "Hip-Hop" Liedern finden, wie zum Beispiel in einem weiteren Lied von den "Söhne Mannheims" mit dem Titel "Babylon System" sowie einem Lied der Gruppe Main Concept mit dem Titel "Raus aus Babylon". Die "Absolute Beginner" haben auf ihrem frühen Album "Flashnizism" auch ein Lied mit dem Titel "1-0 für Babylon" veröffentlicht. Auch der Frankfurter Rapper und Raggae-Musiker "D-Flame" lässt in seinem Lied "Babylon" verlauten, er müsse "endlich raus aus Babylon".

Ebenfalls Erwähnung findet Babel im Lied der Einstürzenden Neubauten "Der Schacht von Babel" sowie im Adversus-song "Die letzte Glocke" wo es heisst "Baut nur euer Babylon, ..."

Das Babylon System ist eine feste Begrifflichkeit innerhalb der Terminologie der Rastafari-Bewegung, die ausgehend von Jamaika sich nach Afrika ausbreitete und durch die globale Etablierung der Reggae-Musik (u.a. durch Bob Marley) auch in Europa auf zunehmende Sympathie in oppositionellen Subkulturen gestoßen ist. Auch heute noch wächst der Kreis derjenigen, die dieses Weltbild (mehr oder weniger vollständig) unterstützen.

Bedeutung

Die Begriffsebene dieser Metapher weist auf den biblischen Zusammenhang mit dem Turmbau zu Babel in Genesis 11,1–9 hin, der Symbol für die menschliche Hybris, der Dekadenz und der Anmaßung gegenüber Gott, ist. Von dort ausgehend mündet die Bildebene in Kategorien der Gesellschaftskritik und der Ablehnung des modernen Menschenbildes. Charakteristika von Gesellschaften und/oder Individuen, die Anhänger und Sympathisanten der Rastafari-Religion als "babylonisch" verurteilen, sind u.a.:

  • die Abkehr des Menschen vom natürlichen Lebenskreislauf im Einklang mit der Natur
  • die Herrschaft des Menschen über den Menschen und das Streben nach Macht
  • Ausbeutung und Ungleichheit
  • Gott- und Gedankenlosigkeit, das Gesteuertsein von Trieben und die Unfähigkeit zu Moral
  • Dekadenz, Materialismus sowie das Streben nach Geld, Konsum und Status
  • Umweltzerstörung
  • Krieg und Gewalt
  • individualisierter und gemeinschaftsentfremdeter Lebensalltag
  • Korruption (individuell und politisch)
  • Ignoranz und Hass gegenüber den Mitmenschen
  • technologischer Fortschritt als Rebellion gegen Gott und die Natur
  • Etablierung von Homosexualität als widernatürliche Erscheinungsform der Neigungen des modernen Menschen
  • Rassismus und Faschismus

Gegenkonzept

Rastafari setzt dieser Realität ein vollkommen unterschiedliches Konzept des Zusammenlebens entgegen:

  • Der Mensch ist fähig zu Verständnis und Liebe im Umgang mit seinen Nächsten. Politische Systeme also, die Hass und Auseinandersetzung säen, müssen abgeschafft und durch eine antiautoritäre Art des Zusammenlebens ersetzt werden, in der jeder Einzelne versucht ein Leben zu führen, das seinem Nächsten nicht schadet, dem Einzelnen selbst aber vollkommen freie und eigenständige Entfaltung garantiert (vgl. Kant: "Die Freiheit des Einen endet dort, wo die des Anderen beginnt"). Der Einzelne hat kein Interesse anderen zu schaden, weil ihm nicht mehr geschadet wird und er alles hat, was er benötigt.
  • Der Mensch lebt im Einklang mit der Natur, von der er abhängig ist, in die er eingebettet ist und ohne die er nicht existieren kann. Er bedient sich ihrer Geschenke, er ist ihr Herrscher, aber nicht ihr Henker.
  • Der Mensch orientiert sich nicht primär an seinen eigenen Lüsten, Neigungen, Wünschen, sondern lebt nach göttlichen Geboten, da er Geschöpf Gottes ist.
  • Technologie, die darauf ausgerichtet ist, Gott nachzuspüren und ihn zu beweisen und die Menschheit immer allmächtiger zu machen, sind gegen die Überzeugung von Rastafari. Technologien, die dem Menschen das Leben innerhalb der Grenzen seines Ursprunges erleichtern, sind legitim.
  • Geld existiert nicht. Jeder Teilhaber der Gemeinschaft ist gleich und arbeitet, um der Gemeinschaft zu dienen und nicht um seinen Wohlstand zu vermehren.
  • Kriege innerhalb der Gemeinschaft oder zwischen Völkern gibt es nicht, da der Mensch weder nach Macht strebt, noch nach Gewalt. Beides ist ihm schlicht zuwider, da sie seinen Einklang mit der Gesamtheit der Dinge und mit sich selbst stören würde.
  • Gemeinschaftliche Angelegenheiten werden gemeinschaftlich geklärt. Gibt es ein Problem, setzen sich die unmittelbar beteiligten sich gemeinsam damit auseinander. Es gibt keine übergeordnete politische Ebene, sondern nur familiäre Gemeinschaften.


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